Lesung

Szenische Lesung der Briefnovelle
Empfänger unbekannt
von Kressmann Taylor

Inhalt

Die Kunsthändler Max Eisenstein und Martin Schulze übersiedeln nach dem 1. Weltkrieg gemeinsam von Deutschland nach San Francisco. Hier betreiben sie erfolgreich die Schulze-Eisenstein Galleries, bis Martin 1932 mit seiner Familie nach Deutschland zurückkehrt. Die Freunde tauschen sich fortan per Brief über die jeweiligen Lebensumstände aus. Während der in Amerika gebliebene Jude Max die gemeinsame Galerie weiter betreibt, baut Heimkehrer Martin sich und seiner Familie im Deutschland des aufkommenden Nationalsozialismus eine neue Existenz auf.

Der Briefwechsel lässt eindrucksvoll erkennen, wie schleichend aber unaufhaltsam die nationalsozialistische Propaganda ihre Wirkung zeigt: Martin entwickelt sich vom vorsichtigen Skeptiker zum überzeugten Nazi. Das stellt die einst innige Männerfreundschaft auf eine harte Probe, die sie nicht besteht. Dem Vorwurf, die Juden würden sich ja nie gegen ihre Verfolgung wehren, begegnet Max auf ganz eigene Weise. Mit einem Racheakt, der perfider kaum sein könnte.

„Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen. Diese Geschichte ist meisterhaft, sie ist mit unübertrefflicher Spannung gebaut, in irritierender Kürze, kein Wort zu viel, keines fehlt.“ (Elke Heidenreich im Nachwort zur deutschen Ausgabe)

Autorin

Die Amerikanerin Kathrine Kressmann (geb. 1903) studierte Literatur und Journalismus, bevor sie in San Francisco als Werbetexterin und Autorin arbeitete. Hier lernte sie 1928 ihren späteren Mann Elliot Taylor kennen, mit dem sie Anfang der 1930er Jahre auf eine kleine Farm nach Oregon zog und eine Familie gründete.

1938 ging die Familie mit mittlerweile drei Kindern nach New York, wo Kressmann ihre Briefnovelle „Address unknown“ fertigstellte. Das Manuskript stieß bei der Literaturzeitschrift STORY auf großes Interesse und wurde umgehend abgedruckt. Die Autorin nahm hierfür das Pseudonym Kressmann Taylor an, da die Akzeptanz politischer Literatur einer Autorin bezweifelt wurde.

Die Veröffentlichung im September 1938 stieß auf so große Resonanz, dass die Ausgabe der STORY innerhalb von 10 Tagen ausverkauft war. Im folgenden Jahr brachte der Verlag Simon & Schuster die Briefnovelle in den USA als Buch mit einer für damalige Verhältnisse extrem hohen Auflage von 50.000 heraus. Nach dem 2.Weltkrieg geriet das Buch nahezu in Vergessenheit. Kressmann Taylor schrieb weitere Kurzgeschichten und Novellen und wurde Professorin für Literatur am Gettysburg College.

Erst 1995 sorgte der Wiederabdruck in der STORY erneut für Aufmerksamkeit, diesmal in der Folgegeneration. Übersetzungen ins Französische, Deutsche und 15 weitere Sprachen folgten. Diesen weltweiten Erfolg erlebte die Autorin nicht mehr mit, sie starb 1996.

 

Aufführende

Sabine Henke, Kabarettistin und Schauspielerin
Birgit Rumpel, Texterin und Journalistin, Mitglied im Sprechchor am Theater Dortmund

Aufführungsdauer: ca. 70 Min. (keine Pause)
Preis: nach Absprache

Aufführungen: siehe Termine

und auf Anfrage

Foto: Oliver Pohl